Stieldorfer Pfarrer
Die Einsetzung und Besoldung der Pfarrer
gehörte zu den Aufgaben des Cassius Stifts. Zunächst waren dem Pfarrer die Zehnteinnahmen aus Stieldorferhohn zugewiesen worden. Als Pfarrer Kayser (1748-80) darüber Klage führte, daß diese Einkünfte zu gering wären, erhielt er statt dessen den Distrikt Vinxel. Dieser umfaßte mit Frankenforst und Winkel 554 Morgen. Der preußische Staat wandelte 1841 den Zehnten in eine jährliche Rente von 145 Thaler um. Aus anderen Höfen, z.B. dem Wiedenhof, standen dem Pfarrer noch Naturalien zu, die erst 1846 durch Geldzahlungen abgelöst wurden. Aber der Pfarrer hatte auch Verpflichtungen, so z.B. „einen Stier zum Vorteil der Zehntpflichtigen zu halten".
Es gehörten auch immer Wiesen und Äcker zum Hof des Pfarrers. Die Flurnamen „Pastorenbitze", ,,Pastorenacker" und ,,Pastors Garten" erinnern noch daran. Auch nach der Säkularisierung besaß
die Pfarrstelle noch 72 Morgen Ackerland, die Vikarie 18 und die Küsterei 4 Morgen.
Der älteste Stieldorfer Pfarrer, dessen Name überliefert ist, war Remboldus. Er wird 1350 in einer Urkunde als ,,pastor et rector ecclesie in Steyldorf" erwähnt. Danach kennen wir die Namen der
hiesigen Geistlichen ab 1550.
Michael Drusell um 1550 Johann Henseler um 1582 Petrus Marx um 1624-1636 Peter Henseler ab 1637 Oxhoniensis ab 1640 Gerhard Münster ab 1682 Hubert Wüsthofen 1686-1723 er ist in der
Stieldorfer Kirche begraben und hinterließ seinen Besitz als Stiftung für die Vikarie. Christian Asbach 1724-1735 aus der Pfarre Stieldorf Jakob Gummerbach 1735-1748
Paul Gisbert Kayser 1748-1780 in der Kirche Stieldorf begraben Peter Josef Meis 1780-1823 aus der Pfarre Stieldorf Pfarrer Meis war der letzte, der noch von dem Cassiusstift in Bonn eingesetzt
worden war. Karl Mathias Düllye 1823-1842 Peter Josef Körfer 1842-1849 Pfarrer Titz 1849-1851 Josef Oswald 1851-1893 über ihn sind einige Anekdoten überliefert. Pfarrer Pfeiffer 1893-1907
Adolf Hubert Klefisch 1908-1931 Joseph Palm 1932-1952 Paul Hestermann 1952-1956 Josef Bolten 1956-1966 Karl Lepartz 1966-1975 er war aus Australien nach Stieldorf gekommen und ging später
wieder zu seiner alten Pfarre nach Sidney zurück. Thomas Zensus 1975-1982 Leo Vetter-Diez 1982 -2003 Dirk Baumhof 2003 - 2008 Udo Maria Schiffers ab 2008
Dem Pfarrer Josef
Oswald (1810-1892), der lange Zeit in der Stieldorfer Pfarre tätig war, wird in alten Erzählungen die Fähigkeit zugesprochen, das Feuer zu bannen. Diese und andere Geschichtchen hat Heinrich Dittmaier um
1936 gesammelt und so der Nachwelt erhalten.
In Rauschendorf hat der alte Engelshof gebrannt. Da ist der Pastor Oswald gewesen, der ist um den Hof herumgegangen und hat aus seinem Buch gebetet. Da war ein ganz eng Gängelchen zwischen dem Engelshof
und dem Nachbarshaus. Damals waren noch all die Strohdächer. Das Feuer ist aber nicht über das Gängelchen gesprungen. Dafür hat der Pastor gebetet.
W. Reuter, Gastwirt, Stieldorf (1891)
In Birlinghoven soll es einst beim Büschpeter gebrannt haben. Auch die anderen Häuser waren in Gefahr. Da sind sie den Pastor Oswald rufen gegangen in Stieldorf, und der ist gekommen und hat am nächsten
Gebäude seine Zeremonien gemacht. Weiter hat es nicht gebrannt. Der konnte Feuer bannen, der Pastor Oswald.
Matth. Wiertz, Fabrikarbeiter, Roleber (1873)
Als der Spielbernd einmal in der Rauschendorfer Mühle war, sagte er zu einem Bauern aus Rauschendorf: ,,Du hättest in Rauschendorf bleiben sollen, da brennt es, da hättest du mit löschen können". „Du
bist ja toll!" sagt der andere. ,,lch sen nicht toll, in Rauschendorf brennt es, geh luren!" und da sind sie nach Rauschendorf gegangen und da hat es wirklich gebrannt. Der Pastor Oswald ist da
gekommen und sagte: „Ich will dem Feuer ein Ende machen!" und nahm ein geweihtes Schildwachtsbüchelchen. „ Macht Platz, Leute", sagte der Pastor, „wenn ich das Feuer gebannt habe, muß ich
sofort gehen, ich darf mich nicht umschauen." Der hat 3 Kreuze gemacht auf einen Pfosten und bis dahin hat es gebrannt. Mein Vater hat das gesehen. Das war ein frommer Herr, der Pastor Oswald.
Heinrich Knüttgen, Stieldorferhohn (Oelinghoven 1853)
aus: Stieldorf, Margarete Reißner
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