Die Passionsspiele in Stieldorf
Dieses Straßenschild weist auf ein bedeutendes Kapitel
Stieldorfer Pfarr- und Heimatgeschichte hin. Zwischen 1889 und 1935 fanden in 10 Aufführungsperioden hier Passionsspiele statt, die dem Ort schon 1890 das Attribut „Rheinisches Oberammergau“ einbrachten.
Als Gründer gilt Michael Weyler, Dirigent des Kirchenchores, der sich 1880 von einem Besuch in Oberammergau inspirieren ließ.
In Anlehnung an den Ammergauer Text reduzierte er seinen auf viereinhalb
Stunden in dreizehn Bildern. Gespielt wurde 1889 im überfüllten Saal Schreckenberg mit 90 Mitwirkenden. Drei Jahre später wurde bereits die erste Passionsspielhalle aus Holz mit über 1000 Sitzplätzen in Eigenarbeit
errichtet. Die Entwicklung der Besucherzahlen in den Spielzeiten 1897, 1902 und 1909 (je rund 60000) erforderte 1911 die Gründung eines Passionsspielvereins, der 1912 ins Königliche Vereinsregister Hennef
eingetragen wurde. Fast alle Familien des Kirchspiels waren an der großen Aufgabe beteiligt; es bildete sich ein harmonisches Zusammenwirken zwischen Kirchen- und Zivilgemeinde. Obwohl der Erste Weltkrieg die
Aufführungen unterbrach, lebte der gute Geist in der Gemeinde weiter. Es blieben die Passionsspiele der Stieldorfer Bauern und Arbeiter.
Die gewachsene Größenordnung erforderte die Führung durch Fachleute: Amtsbürgermeister Rudolf Hahn (Vorsitzender des Passionsspielvereins), Oberspielleiter Fritz Kranz
(Stadttheater Bonn), Chorleiter Gottfried Emans (Hauptlehrer Rauschendorf), Bühnenbildner Prof. Dr. Walter von Wecus (Kunstakademie Düsseldorf), Architekt Bonn (Kreisbauamt Siegburg).
 
Für die Spielzeit 1928/29 wurde eine solide Festspielhalle auf Betonfundamenten in kühner Bindertechnik durch die Firma Wilken aus Köln für 1300 Besucher errichtet.
Die Zahl der Mitwirkenden stieg auf 300, die der Besucher auf rund 100 000.
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