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Die Geschichte der Kirche St. Margareta Stieldorf

120 000 Zuschauer bei den Stieldorfer Passionsspielen 1935

Am 30. Oktober 1935 fand die letzte feierliche Vorstellung der Stieldorfer Passionsspiele statt. Seit 1889 hatten sich Männer und Frauen am Siebengebirge mit ihren Festspielen einen guten Namen gemacht. Unter der ausdrücklichen Erklärung, dass die nicht mehr im allerbesten Zustand befindliche Halle nur noch während des Sommers 1935 benutzt und dann niedergelegt werde, versuchte der Passionsspielverein einen Grundstock zum Bau einer neuen Halle zu legen. Doch während 1934 noch insgesamt 120 000 Zuschauer gezählt wurden, kamen 1935 nur 50 000 Besucher zusammen. Ein Hauptgrund waren die zunehmenden Schikanen der Nationalsozialisten. Das Vermögen des Passionsspielvereins betrug Ende des Jahres 1935 rund 40 000 Reichsmark. Damit lag der Bau einer neuen Festspielhalle in weiter Ferne.                            kfk/FOTO: SAMMLUNG KLÖHS

Quelle: General-Anzeiger vom 04.11.2005

Die Passionsspiele in Stieldorf

An der PassionshalleDieses Straßenschild weist auf ein bedeutendes Kapitel Stieldorfer Pfarr- und Heimatgeschichte hin. Zwischen 1889 und 1935 fanden in 10 Aufführungsperioden hier Passionsspiele statt, die dem Ort schon 1890 das Attribut „Rheinisches Oberammergau“ einbrachten.

Als Gründer gilt Michael Weyler, Dirigent des Kirchenchores, der sich 1880 von einem Besuch in Oberammergau inspirieren ließ.

Michael Weyler, Gründer der PassionsspieleIn Anlehnung an den Ammergauer Text reduzierte er seinen auf viereinhalb Stunden in dreizehn Bildern. Gespielt wurde 1889 im überfüllten Saal Schreckenberg mit 90 Mitwirkenden. Drei Jahre später wurde bereits die erste Passionsspielhalle aus Holz mit über 1000 Sitzplätzen in Eigenarbeit errichtet. Die Entwicklung der Besucherzahlen in den Spielzeiten 1897, 1902 und 1909 (je rund 60000) erforderte 1911 die Gründung eines Passionsspielvereins, der 1912 ins Königliche Vereinsregister Hennef eingetragen wurde. Fast alle Familien des Kirchspiels waren an der großen Aufgabe beteiligt; es bildete sich ein harmonisches Zusammenwirken zwischen Kirchen- und Zivilgemeinde. Obwohl der Erste Weltkrieg die Aufführungen unterbrach, lebte der gute Geist in der Gemeinde weiter. Es blieben die Passionsspiele der Stieldorfer Bauern und Arbeiter.

Die gewachsene Größenordnung erforderte die Führung durch Fachleute: Amtsbürgermeister Rudolf Hahn (Vorsitzender des Passionsspielvereins), Oberspielleiter Fritz Kranz (Stadttheater Bonn), Chorleiter Gottfried Emans (Hauptlehrer Rauschendorf), Bühnenbildner Prof. Dr. Walter von Wecus (Kunstakademie Düsseldorf), Architekt Bonn (Kreisbauamt Siegburg).

Passionshalle im Bau 1928Passionsspielhalle 1928









Für die Spielzeit 1928/29 wurde eine solide Festspielhalle auf Betonfundamenten in kühner Bindertechnik durch die Firma Wilken aus Köln für 1300 Besucher errichtet.

Die Zahl der Mitwirkenden stieg auf 300, die der Besucher auf rund 100 000.

Kaiphas Pilatus
Christus

Unter dem Druck des Naziregimes kam es zu einer Spaltung in Verein und Gemeinde. 1935 wurden die letzten Passionsspiele aufgeführt; die Halle verfiel und wurde abgerissen. Auf dem Grundstück steht heute das Pfarrheim.
Wiederbelebungsversuche der Stieldorfer Passionsspiele nach 1945 blieben erfolglos. Die Mitgliederversammlung 1958 beschloss die Auflösung des Passionsspielvereins.
Eine ausführliche Dokumentation der Passionsspiele Stieldorf wurde als Heft 7 in der Reihe „Königswinter in Geschichte und Gegenwart“ im Jahr 2000 durch die Stadt Königswinter veröffentlicht.

Heinrich Hillen