Die Kirche St. Margareta Stieldorf
Sicherlich waren die Siedler, die die hiesigen Dörfer gründeten, schon Christen und erbauten bald die ersten, einfachen Kirchen. Zwar beunruhigten die heidnischen Sachsen das rechte Rheinufer immer
wieder durch ihre Raubzüge, bei denen sie auch die Kirchen zerstörten, doch nachdem Karl der Große 775 Siegburg zurückerobert hatte, blieb das Gebiet ruhig. In Stieldorf gingen die Bauern gleich bei
der Anlage ihrer Siedlung daran, eine Gebetsstätte zu errichten. Um diese herum standen die ersten Gehöfte. Da die Nachbarorte anfangs keine Kapelle besaßen, wurde Stieldorf zum Kirchdorf und zum
Mittelpunkt der umliegenden Dörfer, Weiler und Höfe. Zuerst war die Kirche nur ein in die Erde gebauter Gebetsraum, der 895 als „cella" erwähnt wird. Im 12. Jahrhundert wurde dann eine
romanische Basilika errichtet. Es war eine schmale Kirche mit nur einem Seitenschiff. Der schlichte Turm aus unregelmäßigen Quadern von Wolsdorfer Stein hat Eckquadern aus Trachyt. Er steht heute noch,
ist aber inzwischen verputzt worden. Gesimse, Wölbungen und Rundbögen sind aus Tuff hergestellt. Da die Kirche Stieldorf dem Cassius Stift in Bonn gehörte, sorgte dieses früher (bis 1803) auch für
Bau- und Reparaturarbeiten an dem Gebäude. Als die alte Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts begann baufällig zu werden, entstanden Streitigkeiten zwischen dem Pfarrer, der Gemeinde und dem Staat, der
nun die Verpflichtungen des Stiftes übernommen hatte, über die Aufteilung der Kosten. So verzögerte sich die Reparatur lange Zeit, bis schließlich 1850 ein neues Kirchengebäude errichtet werden
mußte. Der Pfarrer wurde von der Kostenbeteiligung befreit, der Fiskus zahlte 7/12 und die Gemeinde mußte 5/12 aufbringen. Die gesamten Kosten beliefen sich auf 10.000 Thaler, nach anderen Quellen
16.000 Thaler. Nach den Plänen des Dombaumeisters Zwirner wurde eine 3-schiffige Basilika errichtet, wie sie mit einigen Veränderungen noch jetzt zu sehen ist.
... die Orgel in St. Margareta
Um die Kirche herum lag der Friedhof, er wurde 1849 bei dem Neubau der Kirche verlegt. Viele der alten, schönen Grabkreuze sind damals auf dem neuen Friedhof wieder aufgestellt worden. Dort
erinnern sie noch an manchen alten Einwohner der Pfarre Stieldorfs.
... Stieldorfer Pfarrer
Auch die Küsterei
oder das Glockenamt und die Vikarie gehörten seit Jahrhunderten zur Kirche Stieldorf. Um 1500 war das Glockenamt im Besitz der Familie von der Reve zu Burg Lohmar. Sie übergab dies Amt 1515 an das Kloster Seligental, das es im Jahre 1620 an Peter Schantzer für 24 Jahre verpachtete. Dafür hatte er jährlich 2 Malter Korn, 100 Eier und 2 Gulden Pacht zu zahlen. Der Küster hatte andererseits Erträge an Korn und Gras aus 3 Parzellen Ackerland, einer Wiese und dem Friedhof, von denen er auch Steuern zahlen mußte. Die großen Höfe der Pfarre waren wiederum verpflichtet dem Küster aus ihrer Ernte Abgaben in Korn zu leisten und auch aus der Domänenkasse erhielt er 2 Taler, 26 Silbergroschen. So kompliziert war damals schon die Besoldung und Besteuerung. Der Küster, der ja beim Gottesdienst das Opfergeld einsammelte, wurde auch „Offermann" genannt. Der Hof des Küsters, der „Offermannshof", lag hinter der Kirche, dort, wo jetzt das Pfarrheim steht.
Über 200 Jahre lang hatte die Familie Dreesbach das Küsteramt inne. Um 1800 hören wir von dem Küster Michael Dreesbach, der gleichzeitig Lehrer war. Beide Ämter übernahm von 1814 bis 39 sein Sohn
Joseph. Der nächste Küster Peter Joseph Dreesbach übte dieses Amt weit über 50 Jahre lang aus. Er richtete in seinem Bauerngehöft eine Schankwirtschaft ein. So war dieser Küster nicht nur Bauer,
sondern auch Gastwirt. Auf ihn folgte der recht bekannte Peter Joseph Depensiefen. Er war zeitweise auch als Fleischbeschauer und als Schuhmacher tätig und wirkte auch bei den Passionsspielen mit.
Orgelspielen konnte er nur wenig, das besorgte ein Organist, der „Orgels Pieterchen" genannt wurde. Ein Holländer, Tehlen, versah später den Küsterdienst in Stieldorf und eine Zeit lang war ein
Küster namens Görgens hier tätig. 1928 übernahm Karl Dreckmann dies Amt und übte es über 40 Jahre lang aus. Auf ihn folgte 1974 Hans Willy Buchholz und seit 1979 ist Werner Rombach als Organist und
Küster an der Stieldorfer Kirche tätig.
Die Vikarie, deren 1725 erbautes Wohnhaus heute noch steht, war früher ein ansehnliches Gehöft mit „Besitz an Land, Wiesen und Kapitalien", das der Familie Wüst gehörte. Mehrere der Kaplane im 18. Jahrhundert gehörten dieser Familie Wüst (oder Wüsthoven) an: Nach Johann Hubert Wüst(hoven) (1659-1723), ab 1727 Johannes Hubert Wüst, ab 1742 Palmatius Wüst, von 1778 bis 1842 Johann Georg Wüst, und danach bis 1886 Vikar Johann Georg Wüst (Patenkind des Vorgenannten). Johann Hubert Wüst(hoven), der von 1686-1716 Pfarrer in Stieldorf und von 1716-1723 Dechant von Siegburg war, hatte 1721 seine Hinterlassenschaft der Vikarie gestiftet, „ohne Verpflichtung der Seelsorge", wie es in der Urkunde heißt. Diese Stiftung besteht heute noch.
aus: Stieldorf, Margarete Reißner
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